Sonst

Film: „Mr. Gay Syria“

Der mehrfach ausgezeichnete Film erzählt die Geschichte von zwei schwulen Flüchtlingen aus Syrien und dem gemeinsamen Traum, ihr Land beim „Mr. Gay World-Contest“ in Malta zu vertreten und so auf das Schicksal schwuler Flüchtlinge aufmerksam zu machen.
Am 14. Februar 2016 (Valentinstag) fand in Istanbul der Schönheits-Wettbewerb „Mr. Gay Syria“ statt. Der Dokumentarfilm folgt beiden Protagonisten.

Die Motivationen beider Männer sind verschieden: Husein, 24-jährigen Friseur, führt in Istanbul ein Doppelleben zwischen seiner konservativen Familie mit Frau und Kind und seiner Identität als schwuler Mann. Sein Wunsch: endlich in einer Gesellschaft leben, die ihn und seine Sexualität akzeptiert. Diese Freiheit erhofft er sich in der EU zu finden.
Der 40-jährige LGBTI-Aktivist Mahmoud Hassino lebt in Berlin. Er organisiert den Wettbewerb und will damit schwulen Moslems internationale Aufmerksamkeit verschaffen und auf das Leben queerer Geflüchteter hinweisen. Doch das der Traum wahr wird, ist gar nicht so leicht …

Mr. Gay Syria follows two gay Syrian refugees who are trying to rebuild their lives. Husein is a barber in Istanbul, living a double life between his conservative family and his gay identity. Mahmoud is the founder of Syria’s LGBTI movement and is a refugee in Berlin. What brings them together is a dream: to participate in an international beauty contest as an escape from their trapped lives and an answer to their invisibility. Will the dream come true or will the refugee crisis and the harsh consequences of being gay in the Muslim world shatter it to pieces?

Mr. Gay Syria, Dokumentation, FSK 6
R.: Ayşe Toprak | D, TY, Malta 2017 |·85 min |·englische Originalfassung | dt. Untertitel

Die tollste Kritik + Radio-Feature (55 min):
https://www.deutschlandfunk.de/schoenheitswettbewerb-mit-politischem-hintergrund-mr-gay.1247.de.html?dram:article_id=422151

Trailer/Teaser (Crowdfunding):
https://www.critic.de/film/mr-gay-syria-12250/trailer/

Hintergrund:
https://www.queer.de/detail.php?article_id=25628
https://www.tagesspiegel.de/berlin/queerspiegel/queersyria-ich-wuensche-mir-eine-groessere-offenheit-der-szene/22813570.html


Film:
„Postcards fro, Lonndon“


Locker, leicht, aberwitzig.
Eine schwule Jungs-Gang in London-Soho. Es geht um Escorts, Kunst, das Stendhal-Syndrom und Traum-Sequenzen in „Tableau vivants“ (Lebendbilder von Gemälden).
Ja, ein wenig Kunstgeschichte gibt es auch, so ganz nebenbei. Aber keine Angst, der Film ist lustig, mit herrlichem Humor, experimentier-freudiger Dramaturgie und radikal-ungewöhnlicher Ästhetik. Zitat: „Mit Sex komme ich klar, aber die Kunst macht mich fertig“.

 Sissy Mag meint: Eine selbstironische Ode an die Kunst der käuflichen Liebe. Ein User-Review auf IMDB fasst zusammen: Intellectual Mind Candy (engl.: intelligent + unterhaltsam).

Jim, der Kleinstadtjunge, neu in der Großstadt, schließt sich den „Raconteurs“ (franz.: die Erzähler) an, einer Gang von Strichern und Feingeistern zugleich. Die Coming-of-Age-Geschichte inszeniert Callboys als Träger schwuler Kulturgeschichte.
Gelegentlich fällt Jim in Ohnmacht vor Gemälden von Caravaggio (der um 1600 Huren als Heilige malte, Prostituierte standen ihm Modell für Heiligen-Bilder). Liegt das nun an der Schönheit der dargestellt Jünglinge oder an Jims Verehrung für das Malergenie? Doch da geht der Trouble erst richtig los …
Die Hauptrolle spielt wiedermal der britische Nachwuchsstar Harris Dickinson, der erst kürzlich in „Beach Rats“ (Queer-Filmnacht Januar 2018) zu sehen war. Auch ein Hingucker ist Jonah Hauer-King als David.

Für Cineasten:
*Es werden queere Filme von Pasolini (Accattone, 1961), ein Klassiker, Fassbinder (Querelle, 1982) als Vertreter des schwulen europäischen Autorenfilms der 1970er und mit Van Sant (My Own Private Idaho, 1991) das amerikanische New Queer Cinema der 1990er zitiert.
*Vor fast 25 Jahren (1994) erschien vom selben Regisseur der Film: „Postcards from Amerika“, mit vergleichbaren Motiven: Kunst und Prostitution.
*1986 interpretierte Derek Jarmans in seinem Kult-Film „Caravaggio“ den Maler „als einen Außenseiter […] in dem er sich selbst wiedererkennen konnte […] der sich weder in seinen künstlerischen noch in seinen sexuellen Freiheiten durch irgendwelche Gesetze oder Konventionen einschränken lässt“ (von Brauchitsch: „Caravaggio“).

Postcards from London, Spielfilm, Drama, FSK 12
R.: Steve McLean | UK 2018 |·90 min |·englische Original | dt. Untertitel

Die tollste Kritik:
https://www.queer.de/detail.php?article_id=31676

Links:
https://queerfilmnacht.de/
https://www.sissymag.de/postcards-from-london/

Trailer:
https://www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/postcards-from-london-2018